Freitag, 16. September 2011

Social Networking - Experiment und Sysiphusarbeit für den Mittelstand

Nachdem in der griechischen Mythologie König Sysiphos den Zorn des Gottes Zeus auf sich gezogen hatte, sollte er in der Unterwelt zur Strafe einen Felsblock hügelaufwärts rollen. Sobald er oben angekommen war, entglitt ihm der Fels jedoch stets und so mußte er 'im Schweiß seines Angesichts' ständig von vorne/unten beginnen. Für Albert Camus lag das Absurde daran im Spannungsverhältnis zwischen der Sinnwidrigkeit der Welt einerseits und der Sehnsucht des Menschen nach einem Sinn bzw. sinnvollem Handeln.

Für viele kleine und mittelständige Geschäftsleute stellt sich die Realität in der Welt der Kundenfindung und -bindung heute ähnlich dar, insbesondere beim Thema Internet. Es erscheint sinnlos hunderte oder tausende von Euro - oder in Zeit umgerechnet Tage oder Monate - für Online-Marketing und soziale Netzwerke auszugeben, wenn der Kunde bzw. Käufer nur einen Klick vom billigeren oder besseren Konkurrenzprodukt entfernt ist. Tatsächlich gibt es heute, bis auf wenige große Ausnahmen, kaum noch echte Loyalität der Käufer zu Ihren Marken oder gar zu Händlern oder Dienstleistern. Zu einfach ist es die Preisvergleichmaschine anzuwerfen und den günstigsten zu wählen, Testberichte aufzurufen und sich auf den Sieger zu stürzen. Das Internet hat längst die alten Kaufgewohnheiten aufgelöst und ist dabei, sogar Handwerkern und Dienstleistern Vergleichs- und Bewertungsmaschinen aufzuzwingen.

Wo aber bleiben die Zweit- und Drittplatzierten, diejenigen, die vielleicht nur Millimeter oder Cents daneben liegen, die in solchen Fällen das Nachsehen haben? Ist der Klick zur Konkurrenz einmal gemacht, gibt es kaum noch eine Chance auf einen Deal - man fängt im Prinzip wieder von vorne an, schafft beim nächsten Mal vielleicht das billigste Angebot, erledigt seine klassischen Werbemaßnahmen, verschickt Newsletter, schaltet Annoncen, oder besucht Business-Netzwerke, weil man weiß, dass der persönliche Kontakt noch immer Geschäft ermöglicht und hofft, dass die Welt von Morgen noch einen Platz für einen bietet. Aber, sieht so eine zukunftsträchtige Strategie aus?

Wieder einmal zeigen uns die Trends aus Amerika wo es langgeht. Die sog. Social Media erleben einen gigantischen Boom in diesen Tagen, Ihre Mitgliederzahlen wachsen unaufhörlich und die entsprechenden Meldungen in den Medien häufen sich. Aber auch im chinesischen Internet gibt es soziale Netzwerke  mit heute schon mehr als 1 Milliarde Mitgliedern - fast doppelt so vielen wie bei Facebook. All dies zeigt, dass hier etwas entstanden ist, das nicht länger ignoriert werden darf.

Die Stärken dieser Art von Vernetzung liegt in der "Vermenschlichung" des Internet, der speziellen Kommunikation zwischen Hersteller und Konsument, die nicht nur Kunden binden und finden soll, sondern auch einen Zuwachs an externen Links schafft, also Empfehlungen anderer für das eigene Produkt oder die eigenen Dienstleistungen. Auf diese Weise steigen gleichzeitig die Bewertungen in den wichtigen Suchmaschinen, so dass auch Kunden außerhalb der sozialen Netze schneller aufmerksam werden.

Trotzdem ist das Ganze wieder ein Wettlauf gegen den Wettbewerb. Wer die meisten Fans oder Follower bekommt gewinnt. Anders aber, als in Vergleichs- und Bewertungsportalen, hat hier jeder die reelle Chance auf die "Kunden, die er verdient". Auch wenn die Preisgabe von Daten und Meinungen in Sozialen Netzwerken kontrovers diskutiert wird - Inhaber kleiner und mittelgroßer Unternehmen sollten sich nicht abschrecken lassen und wenigstens eine aktive Teilnahme am Prozess als ein Experiment betrachten, das durchzuführen unumgänglich geworden ist.

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